»Wer unter uns ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!«
Weder Politik noch Moral, sondern G. ist heute das Thema. Nicht um den G.! Auch nicht um G. wie Griechenland. Da ist eh alles klar: arglistige Täuschung – Vertrag nichtig. Andererseits, würden alle Länder mit Korruption und gefälschten Bilanzen aus der EU geworfen, bliebe nicht einmal die Schweiz übrig.
Nein, es geht um G. Oettinger. Wie? Schnee von gestern? Von wegen! Erstens war der Mai verdächtig kalt, zweitens ist G. immer noch im Amt. Muss er auch – damit er nicht auf dumme Gedanken kommt, etwa: Bäcknäng, Brüsselle, Börlinle. Und schließlich ist Pfingsten das Fest der Sprachvielfalt.
Ja, wenn G. in Fahrt kommt, dann vermischen sich Nuschel- Schwäbisch und verschüttetes Schul-Englisch zu akzentuiertem Überschwenglisch. Haben Sie etwa akzentfreies Oxford-English erwartet von einem, der …? Na also! Äffrißing hängs tugässr.
Nun, meine Generation, die Mittfünfziger, ist da abgehärtet. Wir erwachten intellektuell, als höchster Repräsentant unserer Republik der gute H. war, der einst die wartende Queen mit »Equal goes it loose« vertröstet haben soll – worauf sie womöglich ihrem Ph. zugeraunt hat: »His English is but under all pig. By him is mucheasy a screw casual.« Doch dann hätte der/die/das Husband selferly versussprochen: »But no, he’s heavy on wire!«
Aber: Wer unter uns ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! Sprechen Sie etwa perfekt Englisch? Ich nicht. Ich stehe da G. ein wenig näher als der Queen. Leider! Und was man so auf Messerundgängen aufschnappt … Dschiisäß!
Doch auch die, die zu Hause sind in einer oder gar mehreren Fremdsprachen, sollten an ihre drei Retro-Finger denken, wenn sie mit dem einen auf einen wie G. zeigen, und erst mal den Balken aus dem eigenen Auge ziehen, bevor sie nach fremden Splittern suchen. Mit anderen Worten: Erst mal mit der Muttersprache ins Reine kommen, statt uns mit Anglizismen, vor allem › false friends‹, zu bebomben! »We are all sitting in one boat« ist immerhin noch ein Bild, das auf der ganzen Welt verstanden wird – und fast korrektes Englisch; doch ›das macht Sinn‹ ist blanker Unsinn – Lübke invers, Oettinger reziprok –, denn ein Etwas kann nicht Sinn herstellen – da hängt schon das englische Original schief. Und hört mir ›zehn mal mehr‹ auf mit ›in 2010‹ und web- oder sonstwas-›basiert‹! ›Basieren‹ ist intransitiv, das darf man nicht ins Passiv setzen – übrigens auch im Englischen nicht, aber das geht uns nichts an. Und wenn schon Denglisch, dann bitte gleich ›gebased‹.
»Ich erinnere das« hat Exkanzler G. gerne gesagt (und nicht nur er), aber nicht, woran; »Nun entspanne mal!« hätte man ihm gerne genau so falsch entgegnet. Anglizismen, ein Thema fass ohne Boden! Es waren wohl weltläufige ›Consultants‹, die uns derart infiltriert haben, und wir plappern alles nach. Aber: ›sin‹ heißt nicht Sinn, ›site‹ nicht Seite, ›gift‹ nicht Gift, ›technology‹ nicht Technologie, ›sensitive‹ nur beim Hautarzt sensitiv und ›to realize‹ nicht immer realisieren – der Eiffelturm wurde vor über 100 Jahren realisiert und steht auch dann herum, wenn wir die Augen zumachen. Und wer ›analyst‹ mit ›Analyst‹ übersetzt, sollte einen Psychiatrysten aufsuchen gelegentlich, sollt’nicht er?! Wann endlich werden wir Fragen und Verneinungen mit ›zu tun‹ umschreiben?
Aber nicht nur aus dem Englischen gibt es schiefe Übersetzungen: ›Der Stadt und dem Erdkreis‹ muss man alle heiligen Zeiten wieder hören und lesen – obwohl die Erde bereits seit 1987 auch für streng katholische Nachrichtenredakteure nicht mehr flach und kreis-, sondern eher kartoffelförmig ist.
Doch genug der Publikumsbeschimpfungen! Machen Sie sich einen schönen Urlaub und denken Sie stets daran, dass das ohne Bänder, Bleche und Rohre nicht möglich wäre! Machen Sie sich nichts daraus, wenn Sie am Ziel von einigen Hetzblättern mit historischen Andeutungen empfangen werden! Man weiß dort nicht, dass Korruption hierzulande auf Eliten beschränkt und kein Breitensport ist. Und wenn Sie hier bleiben, fragen Sie den G. Ihres Vertrauens nach einem Verzehrbon über 250 €, den Sie natürlich nur im Notfall einlösen – und Ihren Lieblings-I. im Falle eines Falles nach einem landestypischen Begleitservice, aber keine Männer mit Hut und Sonnenbrille!
