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Design-Potenzial oft nur zu 20 Prozent gehoben

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Jürgen R. Schmid analysiert Maschinen der Blechverarbeiter und fordert konsequentere Design-Strategien
Dass das Thema ›Design‹ Blechverarbeiter und Umformer immerhin erreicht hat, konnte man auf der Blechexpo in Stuttgart feststellen. Auch das Standpersonal war fast überall aufgeschlossen für das Thema. Denn den Vertrieblern ist klar: Wenn alle Geräte gleichermaßen technisch und funktional ausgereift sind, kann man sich nur noch über das Design differenzieren.

Doch von Design-Strategie kann man selbst bei vielen Markt- und Technologieführern nicht sprechen. Eher so: Man erkennt das Bemühen. Das zeigt sich mal in der Formgebung, mal in einheitlichen Griffen. Im besten Fall ist der einzelnen Maschine anzusehen, dass sie eine aktuelle Formgebung hat – im Rest der Produktgruppe sieht es aber wie in den 90er-Jahren aus. Am ehesten gibt es noch ein durchgängiges Farbkonzept.

Immerhin scheint sich bis zum Letzten herumgesprochen zu haben, dass Tastaturen leicht verschmutzen, was den Eindruck einer veralteten Maschine vermittelt. Deshalb sind Touchscreens und Bildschirmsteuerung nun Standard, zumal sie die Flexibilität erhöhen und Fehlbedienungen reduzieren. Von der selbsterklärenden Menüführung – Stichwort Mensch-Maschine-Schnittstelle – sind die meisten Anbieter aber noch weit entfernt. Allenfalls ein Fünftel des Machbaren ist hier realisiert. Das heißt etwa, dass nicht einmal alle Maschinen eines Herstellers derselben Logik folgen.

Global Player wie Homag oder Maquet nutzen wissenschaftliche Erkenntnisse und starten Testreihen mit Anwendern, um die Bedienerfreundlichkeit zu optimieren. Mittelständler winken mit dem Kostenargument ab. Warum stellen sie dem Kostenargument nicht mal den Nutzenvorteil gegenüber? Sie könnten sich vom Wettbewerb differenzieren durch kürzere Schulungszeiten und geringere Fehlerquoten der Maschinenbediener. Das sind doch auch Kostenvorteile!

Man brauchte zudem nur abgucken, wie Große erfolgreich sind. Etwa die eigenen Design-Merkmale (Schrifttype, Farbe, Logo) auch in der Menüführung aufzugreifen, statt hier nochmals was anderes zu kreieren.

Ein weiterer Punkt mangelnder Design-Strategie sind Zukaufteile wie Griffe. Die werden dort gekauft, wo sie am billigsten sind, oder bei dem Lieferanten, den man ohnehin hat. Der pflegt aber, wenn er gut ist, viel lieber sein eigenes Design. Hier liegt viel Kreativpotenzial, wie man den Zukauf umkehrt und zu eigenmarkenbildenden Lösungen aus einem Guss kommt.

Ähnlich verhält es sich bei der Verarbeitungsqualität: Man erkennt an den schmaleren Spaltmaßen ganz deutlich, dass die Blechverarbeiter besser werden. Die Oberflächenbeschichter machen aber noch immer, was sie wollen und wie sie es eben am besten hinkriegen. Auch hier müsste der Kunde den exakten Glanzgrad vorgeben, damit sein Produkt nicht speckig wirkt oder leicht verdreckt. Und die Oberfläche sollte feinkörnig sein, statt an eine Orangenhaut zu erinnern.

Dasselbe gilt für die Farbgebung. Hier hat der Letzte begriffen, dass lichtgrau als schick gilt. Nur, wenn das alle machen, ist es schon wieder langweilig. Deshalb die Faustformel: Die Farbe immer konträr zur Branche wählen, um aufzufallen. Natürlich gilt dies nur mit Einschränkungen. Denn wo viel verschmutzt, sind helle Farben ungeeignet. Dennoch bleibt farbpsychologisch richtig, dass hell für freundlich steht. Die Lösung kann in schwierigen Fällen sein, mit einer dunklen Grund- und einer hellen Akzentfarbe zu arbeiten.

Dass es im Design keine ewigen Wahrheiten gibt, sondern nur Trendsetzer und Nachahmer, belegt eine weitere Auffälligkeit: In den 90er-Jahren galt es als schick und damit modern, von den klobigen Gusstafeln mit dem Logo auf filigran aufgeklebte Folien überzugehen. Weil auch dies mittlerweile nahezu alle Hersteller tun, ist es schon wieder ein stilvolles Werbemittel, zum dreidimensional aufgesetzten Logo zurückzukehren, weil dies Wertigkeit vermittelt und eben auffällt.

Generell gilt, dass die Maschinen der Blechverarbeiter noch immer viel zu technisch-funktional daherkommen. Selbstverständlich muss die Maschine im Alltag funktionieren. Auch jedes Auto fährt. Und doch lebt keine andere Branche überzeugender vor, wie Form Emotion erzeugt. In diese Gefühlswelt gehören Aspekte wie Haptik, dass sich ein gummierter Griff für den Bediener warm und angenehm anfühlt, oder Handling, dass eine Abdeckung – ähnlich PKW-Kofferräumen – leicht aufspringt, wenn man sie öffnet.

Fazit: Das Thema Design ist erkannt. Doch viele sehen es noch nicht in seiner Dimension als Schlüsselkompetenz, einzelne Facetten zu koordinieren, und die Umsetzung hat eben erst begonnen. Viele Blechverarbeiter wissen leider noch gar nicht, was alles unter das Thema Design fällt, oder was sie ihrem Designer abverlangen dürfen. Oft haben sie noch nicht mal Parameter, nach denen sie erkennen, ob ihr Designer oder ihr Design gut oder eben schlecht sind.

Zur Person
Jürgen R. Schmid (53) betreibt in Ammerbuch mit elf Mitarbeitern das Büro Design Tech, das international für Markt- und Technologieführer aus Industrie und Medizin arbeitet. Rund 90 Design-Preise belegen sein Vordenker-Image.
www.designtech.eu

1 Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Schmid,
    interessanter Beitrag zum Beitrag Design. Leider leider stößt man bei vielen Betrieben (nicht nur bei Blechverarbeitern) sehr häufig immer noch auf mangelndes ästhetisches Verständnis oder auf die “wir-brauchen-keinen-Designer-wir-machen-alles-alleine-und-sparen-Geld” oder schlicht auf schlechten Geschmack, oder beides zusammen. Ausnahmen bestätigen die Regel: http://multigrind.wordpress.com/2009/07/29/das-auge-schleift-mit-design-und-haas-schleifmaschinen
    Grüße aus Tübingen

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