“Wenn Europa von Luschen geführt wird, wird es sang- und klanglos untergehen.”
Von Gipfeln geht es nur abwärts; das gilt wohl auch für ›Klimagipfel‹. Man solle ›Kopenhagen‹ nicht schlechtreden, forderte die kummerverwöhnte Chefin der gelb-scharzen Koallision (so jüngst die Aussprache ihres Freudigen Innenministers) kurz nach des ›Gipfels‹ kläglichem Ende und kurz bevor sie das Jahr 2010 a priori schlechtredete: ›Yes, we drown‹ oder was? Jenen Weltuntergangsbeschluss kann man gar nicht schlechtreden. Da fehlen sogar uns die Worte.
Die Rolle des Schurkenstaates übernimmt die ›Volksrepublik‹ China. Ihre Führer nehmen billigend den möglichen Tod Hunderttausender aus niedrigen Beweggründen vorsätzlich und vielleicht sogar heimtückisch in Kauf. Und die VR China hat Geld, viel Geld. Mit Geld regiert man nicht nur die Welt, sondern kauft auch (ihrem) Führungspersonal (den Schneid ab) und führt es vor.
Die größte Wirtschaftsmacht der Erde, die EU, hat sich auf eine Reduktion ihres – wohlgemerkt ihres eigenen – Treibhausgas- Ausstoßes geeinigt und sie als Vorleistung angeboten, da diktiert ihr der große Diktator aus dem Reich der Mitte, das sich bekanntlich jede Einmischung verbittet, was sie sich erlauben darf und ob überhaupt etwas, da er sonst den Vereinbarungen nicht zustimmen könne. Die EU gibt klein bei – und der Chinese stimmt, wie angekündigt, dem eigenen Diktat nicht zu, sondern »nimmt es zur Kenntnis«.
Weniger hätte er auch nicht tun können, wenn strenge Grenzwerte beschlossen worden wären. Wieso wurden die dann nicht postwendend wieder ins Abschlussprotokoll geschrieben? Etwa, weil unsere Regierer sie gar nicht wollten, sondern nur ein kleinbisschen Show für die Wähler, oder weil sie Luschen sind? Jetzt ist klar, wer künftig die Welt regieren und wer sang- und klanglos untergehen wird – und wer wie ein Schulbub danebensteht.
Der US-Präsident wurde von seinem Kollegen derart gedemütigt, dass er die Nerven verlor. Denn der Chinese musste, bevor er Obama zu empfangen geruhte, die Vertreter Indiens, Südafrikas und – nochmal: Geld regiert die Welt – anderer Drittweltstaaten nachschulen; Länder, die zwar vom Klimachaos akut bedroht sind, aber lieber ihre ökonomischen Interessen verfolgen. Pech für die Bewohner von flachen Inseln oder Wüstenrändern. Die haben kein Geld und keine Macht und keinen Ausweg (außer Slums und Zeltlager); ist ja kein Exportmarkt ›da unten‹, und das christliche und deshalb soziale, sich aber kulturell und wirtschaftlich gefährdet wähnende Abendland hat dichtgemacht.
In den USA und China gibt es ebenfalls wachsende Wüsten – keine Häme, denn auch dort trifft’s die Falschen! Immerhin hat Obama den Ernst der Lage erkannt – als erster US-Präsident seit Carter. Dessen Abwahl 1980 war wohl die verheerendste Folge des persischen Putsches, denn Carters Nachfolger waren allesamt Öko- Ignoranten – auch Clinton, der durch seinen Vize Gore in Kyoto die wirksame Begrenzung der Treibhausgas-Produktion verhindern ließ und das Inkrafttreten des Abkommens verzögerte. Über diesen Blowjob regte sich in den USA aber kaum jemand auf.
Das Klimachaos kommt völlig überraschend. Selbst ›Kosmos‹ oder ›Hobby‹ lesende Teenager erfuhren erst vor gut 40 Jahren von der Gefahr. Freilich – wenn Ideologie die Realität verwölkt, dauert es mit dem Durchblick etwas länger. ›Kopenhagen‹ war folglich so zu erwarten: Ignorieren balzende Auerhähne den Jäger selbst in unmittelbarer Nähe, wundern wir uns; vergleichbares Verhalten unserer mächtigsten Politiker verwundert nicht. Warum wohl? Weshalb ich derart aufs Blech haue? Gute Frage! Mir kann völlig egal sein, was 2050 los ist. Aber wenn Sie Menschen lieben, die unter 30 sind, dann sollten Sie handeln, und zwar gleich.
Hans-Georg Schätzl
Chefredakteur bbr

Klasse Editorial! Die Frage was bleibt muss wohl jeden vernünftigen Menschen umtreiben. Was bleibt, wenn eine Wirtschaftsmacht wie China sein Land mit Kohlekraftwerken zugebaut und den Rest der Welt mit giftigen Plastikspielsachen zugemüllt hat. Mein Lektüretipp zum Thema wie es aussehen könnte nach dem Super-Umweltgau stammt von Cormac McCarthy, der Roman heißt “Die Straße”. Grüße aus Tübingen