Der bbr:Blog Rotating Header Image

Klassenkeile (bbr:Editorial 10/2009)

›Streber‹ sind die natürlichen Feinde aller Überforderten und also ›gerne‹ Opfer von Häme und Schlimmerem. Und da Reifeprozesse oft etwas dauern, beschränkt sich dieses Phänomen nicht auf die Pubertät.

Ausgerechnet flämische Toppolitiker entblödeten sich nicht, die deutsche Reichs- äh Bundesregierung in Sachen Opel vor einem »nationalistischen Ansatz« zu warnen und von ihr zu fordern, gefälligst die Rettung aller europäischen GM-Standorte, insbesondere Antwerpens, zu bezahlen.

Gewohnheitsrecht, was? Oder sollen wir wieder einmal Buße für das Tausendjährige tun? Den Teufel werden wir! Wir schreiben 2009, nicht 1939. Wenn die EU-Kommission oder sonstwer den sicher diskussionswürdigen Magna-Deal der Bundesregierung untersagt, dann wird eben nicht gezahlt, Opel dicht gemacht, einschließlich Standort Antwerpen, und die weise belgische Regierung hat ihr Ziel erreicht.

Standort-Wechsel: Am Hindukusch ereignen sich fürchterliche Dinge, täglich. Und so jubelte die übrige westliche Welt, endlich mal seien die deutschen Musterschüler an einem Massaker schuld – lange bevor irgendetwas geklärt war. Wird ›Schuldsvermutung‹ Unwort des Jahres? Und unsere Massenmedien mit ihrem untrüglichen Sinn fürs wahrhaft Wichtige schossen sich auf den unglücklich agierenden Bundes-Nicht-Kriegs-Minister ein, statt sich gegen die internationale Vorverurteilung zu wehren und die Geschichte vom Kopf auf die Füße zu stellen. Wie wohltuend objektiv dagegen die Reaktion vieler Afghanen einschließlich der Untersuchungskommission! Sie forderten die Terroristen nicht hintenherum auf, es vergeltungshalber doch mal in Deutschland krachen zu lassen. Wer Verbündete hat wie wir, muss keinen Feind fürchten.

Im Vergleich zur internationalen Diplomatie wirkt der globale Konkurrenzkampf trotz Krise wie eine Kuschelecke. Das zeigten auch die beiden Weltmessen im September, die IAA und die Schweißen & Schneiden. Doch wie unterschiedlich: Während in Frankfurt Besinnlichkeit angesagt zu sein schien, tobte in Essen erwartungsgemäß der Bär! Die Besucher drängten sich auf den in der guten alten Zeit (2008) geplanten und entsprechend großzügig dimensionierten Ständen. Anfragen und Aufträge nehmen seit Jahresmitte zu, und auch die Suche nach Arbeitskräften. Wenn jetzt noch die Bänker ihr Kerngeschäft kapieren würden, dann ginge es bald wieder steil aufwärts.

Wie ist Ihre Meinung?
Hans-Georg Schätzl
Chefredakteur bbr

1 Kommentar

  1. admin admin sagt:

    Schreiben Sie den ersten Kommentar…

Schreiben Sie einen Kommentar in den bbr:Blog