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Das Große und Ganze (bbr-Editorial 6/2011)

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen« – erkannte einst Samuel Longhorne Clemens, bekannter als Mark Twain, der in jungen Jahren zumindest Untiefen und Sandbänke im Mississippi genau verhersagen können musste.

Makroökonomen und Verbandsfunktionäre sind keine Flusslotsen, und deshalb liegen sie manchmal gewaltig daneben: Da wurde vor etwa 15 Monaten dem Werkzeugmaschinenmarkt für 2011 ein Umsatzrückgang von zwölf, vor einem Jahr immerhin noch von sechs Prozent prophezeit, und nun musste man seine Vorhersage von plus 30 Prozent »bestätigen«. Es gibt schlimmere Irrtümer. Zwar liegen die Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung selten so weit daneben; zwei Prozent sind aber nicht untypisch, und bei Wachstumsraten zwischen null und einem Prozent kann schon einmal aus einem Plus ein Minus werden – oder umgekehrt, Vorzeichenfehler sind ja auch nicht ganz untypisch in der Ökonomie.

Stichwort Vorzeichen: Wenden wir einmal den Zeitstrahl, denn auch im Rückblick geht manches daneben, zum Beispiel auf den troianischen Bund: »Bundestroianer« ist eine üble Verunglimpfung, eine Verdrehung der mythologischen Wahrheit, denn die Troianer waren nicht die Täter, sondern die Opfer eines hinterhältigen Tricks! Nur dass die Troianer nicht vorsätzlich auf die üblen griechischen Täuschungsmanöver hereingefallen sind. Immerhin, auch sie hätten es besser wissen können: »Timeo Danaos et dona ferentes «, habe der Seher Laokoon vergebens gewarnt, schreibt – nein, nicht Homer, der nachweislich kein Latein konnte (weil es seinerzeit noch kein Latein gab), in der Odyssee, sondern Vergil in der Aeneis. Aeneas war einer der wenigen
überlebenden Troianer, Vater des ersten Romgründers Iulus und Urfahr der Zwillinge Romulus und Remus, deren Vater Mars in Bleche gekleidet war. Indirekt hat uns Aeneas also auch verschiedene Schuldenmacherregierungen und gescheiterte Großraddreher eingebrockt – und möglicherweise geschieht es den Troianern deshalb doch recht, mit Online-Wanzen und anderen Verbrechen in Verbindung gebracht zu werden.

Vielleicht gelingt es der jetzigen Regierung in Rom ja, den Blick von Peti- und anderen -tessen ab- und ihren eigentlichen Aufgaben zuzuwenden. Obwohl es nur allzumenschlich ist, sich im Detail zu verlieren statt sich auf das Große und Ganze zu konzentrieren; an den kleinen Schräubchen herumzudrehen, bis sie abreißen, statt das große Rad.

Auch Manager waren – und sind – nicht gegen diese menschliche Schwäche gefeit: Jahrelang wurden in vielen Betrieben
die Bedingungen für die Mitarbeiter sukzessive verschlechtert, materielle und immaterielle Zuwendungen gekürzt, die Arbeitsanforderungen erhöht, um vordergründig Kosten zu senken; gleichzeitig übersah man das große Rad Umsatz, das am Laufen zu halten qualifizierte und motivierte Mitarbeiter erfordert.

Ein anderes Beispiel für das Drehen kleiner Schräubchen ist die Glühlampenverordnung. Die Einsparungen an Primärenergie sind überschaubar. Viel mehr brächte – davon freilich völlig unabhängig – die Wärmedämmung von Gebäuden, und da tut die Politik zwar einiges, hat aber ein Kommunikationsproblem: Die Glühlampe ist zahllose Schlagzeilen wert gewesen, aber wer hat schon mitbekommen, dass man die energetische Sanierung seines Wohnhauses mit nur 1,0 % Zinsen finanzieren kann?

Noch besser als bisher sollte die energetische Sanierung gewerblich genutzter Gebäude gefördert werden, vor allem Industriehallen. Bleche dämmen gar nicht, Beton kaum. Immerhin wird bei Neubauten schon freiwillig einiges getan, viele Produktionshallen sind dank der Abwärme der Maschinen heizungstechnisch bereits autark – auch dann noch, wenn die Maschinen und Anlagen energetisch optimiert sind. Oft genug fällt – nicht nur im Sommer – sogar noch Prozesswärme an. Nicht zuletzt ein weites Einsatzgebiet für Bänder, Bleche und Rohre.

Beispiele für Einsparmöglichkeiten im Materialverbrauch, in der Verbindungstechnik, in Produktion und Logistik finden Sie in dieser bbr – und sogar große ›Räder‹.


Zitat:
»Man kann an vielen kleinen Schräubchen drehen, aber das große Rad bewirkt mehr.«
Hans-Georg Schätzl

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” ‘Green Means’ ist für uns ein Unternehmenswert”

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Emilio Maio, Geschäftsführer von Prima PowerAus Prima Industrie und Finn Power wurde Prima Power. Geschäftsführer Emilio
Maio beantwortete die Fragen der bbr.

Prima Industries hat sich auf der Blechexpo erstmals im neuen Corporate Design präsentiert. Wie waren die Reaktionen der Kunden?
Die Reaktion ist positiv gewesen. Die Kunden sehen, dass ein neuer Anbieter auftritt, der ein größeres Produktspektrum für die Blechbearbeitung hat als jeder andere. Der neue Name ›Prima Power‹ hat unseren Kunden auch gefallen.

Wie wirkt sich die neue Unternehmensstruktur auf Ihre Produkte und Dienstleistungen aus?
Prima Industrie ist die Mutter eines Konzernes mit 1400 Mitarbeitern und Produktionsorten auf drei Kontinenten: Europa, Amerika und China. Zum Konzern gehören Prima Power als Hersteller von Maschinen für die Blechbearbeitung und Prima Electro als Hersteller elektronischer Komponenten wie Laserquellen, Steuerungen et cetera.

Konnten die Kunden auf der Emo schon Neuheiten sehen, die sich aus der neuen Struktur heraus entwickelt haben?
Es wurden folgende Maschinen ausgestellt: die Laserschneidanlage Rapido Evoluzione2 mit hocheffizientem und daher umweltverträglichem Hochleistungsfaserlaser, der nur geringe Wartungskosten verursacht; die Einsteiger-Revolverstanzpresse E6x für Blechtafeln bis 1565 x 3074 mm mit servoelektrischen Antrieben; die neue servoelektrische Abkanntpresse EP-1030, eine schnelle, präzise und nicht hydraulische Biegelösung mit kurzen Antwortzeiten. Wichtig ist auch das ›Green-Means-Konzept von Prima Power: Es bietet Nachhaltigkeit, Effizienz und Produktivität, größere Vielseitigkeit, weniger Energieverbrauch, niedrigere Wartungskosten und verursacht keine Kosten für Öl oder dessen Entsorgung. Green Means ist auch einer unserer Unternehmenswerte, und wir nehmen dieses Them sehr ernst.

Auf welchen Technologiegebieten sehen Sie für die Prima Industrie in naher Zukunft die größten Chancen?
Unser breites Produkt- und Dienstleistungsangebot deckt alle wichtigsten Technologien ab. Wir wollen aber zeigen, dass bessere Lösungen nicht unbedingt mit Kostenmehraufwand verbunden sind. In vielen Fällen gehen Kosteneinsparungen und Umweltbewusstsein Hand in Hand.

Was können die Kunden von Prima Industrie im nächsten Jahr erwarten, vor allem zur Euroblech?
Der Fokus ist auf die Entwicklung nachhaltiger Technologien wie Faserlaser und
servoelektrischer Komponenten gerichtet, die durch Dienstleistungen ergänzt
werden.

Noch ein kurzer Blick zurück zur Emo: Erstmals zeigten sich wieder größere Unternehmen der Blechbranche auf dieser Messe. Sehen Sie eine Rückkehr der Blechverarbeiter auf die Emo?
Es scheint so zu sein. Wir sind gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

1 Kommentar

  1. Peter Peter sagt:

    Ein weiterer großer Name in der Blechbearbeitung ist Eckold. Die Blechbearbeitungsmaschinen werden kundenorientiert angepasst werden. Außerdem sind falzen, stanzen und bördeln kein Problem.

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Ohne Kunden an die Börse? (bbr-Editorial 5/2011)

»Wer seine Customer schlecht treatet, drivet seinen Shareholder-Value gegen zero.«

Schwaben sind sparsam, aber manchmal übertreiben sie. Die Bahnmanager sind auch sparsam (wg. Shareholder und so), aber manchmal übertreiben sie –  zulasten ihrer ›Beförderungsfälle‹: Wer am Hauptbahnhof Augsburg an Gleis 1 nach Wagenstandsanzeigern sucht, muss weit laufen: In der Sektion A, also ganz hinten, wird er fündig. Wenn er seinen Platz in E reserviert hat – was man vorher nicht weiß –, darf er sein Gepäck über 300
m weit schleppen. 300 nach vielleicht 500 auf der Suche nach dieser Information. Vielleicht findet man in Sektor E auch so ein Blatt, aber in der Mitte oder gar in jedem Sektor? Fehlanzeige, obwohl das doch nicht die Welt kosten würde! Leere Vitrinen hätte es genug gegeben. Ich habe alle abgesucht. Die Jugendlichen, die ich dabei ungewollt umschlich, schauten mir immer ängstlicher zu, sich bange fragend, wen ich wohl in meinem Fang wegschleppen würde. Aber ich war nicht hungrig, sondern suchte nur nach einem DIN-A1-Blatt.

Bisher war ich ein Freund und Verteidiger der Bahn. Bisher! Bis zum 20.09.2011, 22:40 h. Doch den schlimmeren Teil der Reise hatte ich da noch vor mir: Wer mit dem Schlafwagen reist, erwartet keine Luxus-Suite, aber das ›Talgo‹-Abteil, in dem ich vor einigen Jahren unterwegs war, wirkte wie ein Saal im Vergleich zu dem, was einem heutige Doppelstock-Schlafwagen zumuten – und ich hatte Einzelkabine gebucht. Zwei Reisende mit Gepäck in dieser Zelle? Wohin mit dem Koffer? Schlafen in einer vielleicht 60 cm hohen Nische? Innerhalb einer halben Stunde zu zweit waschen, anziehen und frühstücken? Unmöglich! Jedem Strafgefangenen stehen sechs bis sieben Quadratmeter zu, zwei Bahnreisenden der CNL zusammen schätzungsweise vier.

Dass die Tür der Kabine nicht zuging und die Klimaanlage deshalb tapfer versuchte, den ganzen Wagen zu heizen, kann vorkommen. Das Personal schuf schnell Abhilfe. Überhaupt: Wenn die Bahn in den letzten Jahrzehnten Fortschritte gemacht hat, dann im personellen Bereich – zumindest ›unten‹.

Die Tür schloss schließlich, die Heizung hielt sich zurück – dafür ging die scharfkantige Schublade neben dem Kopf achtmal in vier Stunden geräuschvoll auf. Waschen in diesen Zellen ist eine artistische und olfaktorische Zumutung. Das Frühstück Also, der Tee war gut, der Rest – sagen wir – haltbar. Der Speisewagen des Talgo wurde eingespart.

»Willkommen in der Messestadt Hannover« steht auf Tafeln. Man sollte das nicht zu wörtlich nehmen, denn Sitzgelegenheiten zum Beispiel gibt es nur auf den Bahnsteigen, wo es kalt und zug(!)ig ist und nach Dieselabgasen stinkt. Geschützte Sitzplätze findet man um halb sechs morgens nur in der ›Rück-Faktorei‹, so die Rück-Translation aus dem Englischen, aber dort müsste man ein zweites ›Brichschnell‹ einnehmen, um willkommen zu sein – um diese Zeit, so kurz nach dem ersten?

Es ist ungemütlich auf dem Bahnhof im Spätsommer um diese Stunde. Aber in Hannover ist schon die Sprache ungemütlich. Irgendwie farblos, so ohne Färbung. Aber daran ist der Martin Luther schuld – auch an der protestantischen Zurückhaltung.Aber die sollte man nicht übertreiben!

Die Rückfahrt nämlich begann in Laatzen nicht nur damit, dass die elektronische Informationstafel just in der Sekunde ausfiel, in der ich nach dem Abfahrtsgleis schauen wollte, sondern auch mit so protestantisch zurückhaltend leisen Ansagen, dass sie von den Lüftergeräuschen der Fahrzeuge locker übertönt wurden. Und Wagenstandsanzeiger gab es wieder nur einen; den immerhin ungefähr in der Mitte des Bahnsteigs.

Zufriedene Bahnkunden? Ich habe keinen getroffen. Man fährt Bahn, weil sie der Umwelt weniger schadet als das Flugzeug und den Reisenden weniger anstrengt als das Auto, vielleicht auch weil sie sicherer und zuverlässiger ist. Meine Bahnfahrten werden sich in der nächsten
Zeit allerdings auf den Maßstab 1:160 konzentrieren. Die Bahnmanager sollten ihren Blick nicht zu sehr auf den Shareholder beschränken, sondern mit einem Auge auch nach dem Customer, dem Beförderungsfall, schielen, sonst kommt ihr der abhanden. Und ohne Kunden an die Börse?

Ach ja, Emo war auch noch. Und prominente Aussteller aus der Blech- und Rohrwelt waren wieder da: Trumpf, Amada, BLM und Prima Power zum Beispiel. Aber so wie im letzten Jahrtausend war es noch lange nicht.

Immerhin: Die (durchwegs mittelständischen) Unternehmen unserer Branche wissen, wie man mit Kunden umzugehen hat.

Hans-Georg Schätzl

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»In manchen Unternehmen schlummert ungenutztes Potenzial. Nutzen Sie es!« (bbr-Editorial 4/2011)

Der Wirtschaft geht es gut! Allenthalben zeigen sich deutsche Unternehmen sehr zufrieden mit den Auftragseingängen. Bestellungen, ob Maschinen oder Material, belegen einen ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung. Nach einem guten Jahresbeginn ist das Wirtschaftswachstum derzeit zwar in einem eher moderaten Zustand, was an teils vorgezogenen Investitionen und noch immer an externen Faktoren und Einflüssen der Finanzmärkte liegt. Dennoch ist die Stimmung kurz vor der EMO – der Weltleitmesse der Metallbearbeitung –, die in diesem Jahr in Hannover stattfindet, sehr gut. Rund 2000 Teilnehmer aus 38 Ländern bieten den Besuchern eine Vielzahl an Innovationen – im Grunde nichts Neues, all diese Neuheiten.

Im Vergleich dazu mutet das hektische Auf- und Ab an der Börse eher suspekt. In Minutenschnelle wurden hier wieder Abermillionen von Euro und anderen Währungen verbraten, was für eine Berg- und Talfahrt an den internationalen Börsen sorgte. Auf der einen Seite bereits gesundete, sich erholende und stabile Unternehmen, die sich über die letzten Jahre von der Wirtschaftskrise wieder auf den Erfolgsast hocharbeiteten, auf der anderen Seite die Spezialisten, die scheinbar doch nicht so viel aus der Krisenzeit gelernt haben. Hochmoderne Computeranlagen sind kein Garant für stabile Börsensysteme.

Beispiele dagegen, wie moderne Unternehmen erfolgreich arbeiten, finden sich in dieser Ausgabe der bbr. Passend zur EMO in Hannover präsentieren sich Unternehmen mit ihren Produkten im besten Licht, respektive hoher Leistungsfähigkeit. Dass manch ein Hersteller bereits wieder an die hohen Umsätze vor der Krise angeknüpft hat oder kurz davorsteht, zeigen interessante Interviews mit sogenannten Familienunternehmen. Interessante Aspekte sind, welches Potenzial in den jeweiligen Betrieben schlummert und welche Märkte immer wichtiger werden – Stichwort China.

Weitere spannende Berichte beschäftigen sich mit der komplexen Bearbeitung von Rohren. Ob kleine Durchmesser, integriertes Messen, kleine Rohrstücke oder minimale Biegeradien; wichtig ist es, die gesamte Prozesskette zu betrachten und zu optimieren. Die schnellere Fertigung effizienterer Kraftwerke bei gleichzeitiger Kostenreduzierung etwa lässt sich nun mit der richtigen Schweißtechnik realisieren. Hierzu zählt das automatische Engspaltschweißen. Das Fügen mittels Wobbletracken oder Trennen per Feinschneiden erledigen moderne, vollautomatische Anlagen, in denen Laser, integrierte Sensorik und Steuerung aufeinander abgestimmt sind.

Für Umformvorgänge interessanter wird zudem die Simulation des Fertigungsprozesses. Hier spielen die Kompensation der Rückfederung und die passenden Randbedingungen beim Anwender eine große Rolle.

Dass bei all den neuen Techniken der Sicherheitsaspekt einen besonderen Stellenwert hat, zeigen Beispiele aus dem Karosseriebau und dem Biegen von Blechen. Ein automatisches Spannsystem dient ebenso zur Unfallverhütung wie ein 3D-Lasersicherheitsgitter. Auch bei der Verarbeitung von lasergeschnittenem Dickblech können Verletzungsgefahren auftreten. Diese zu vermeiden sorgen das optimierte Verrunden der Bleche einerseits, die sichere Handhabung mittels innovativem Vakuumsystem andererseits. Zur Sicherheit zählt auch die Luftreinigung bis in den Nanobereich, entsprechende Filtersysteme sorgen effizient für saubere Luft.

Martin Droysen
m.droysen@verlag-henrich.de

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Bad Spencer!

Eigentlich können sich die Medien nicht beklagen. Von Sommerloch keine Spur. Im Gegensatz zu vergangenen Sommern gibt es dieses Jahr reichlich zu berichten. Neben zahlreichen Katastrophenmeldungen aus aller Welt liefern vor allem die Schwaben schon seit Monaten unfreiwillig den Stoff, aus dem die Zeitungen sind. Kein Wunder also, dass der neueste Aufreger in puncto Bürgerbeteiligung und direkter Demokratie erneut aus dem Schwäbischen kommt – genauer gesagt Schwäbisch Gmünd. Dabei wollte man es doch nur besser machen als die Stuttgarter Kollegen und die Bürger an einem (zugegebenermaßen relativ unwichtigen) politischen Entscheidungsprozess teilhaben lassen.

Dabei dreht sich alles um einen Tunnel der Bundesstraße 29, aber anders als in Stuttgart nicht um den Ausbau des Tunnels selbst (für einen überirdischen Tunnel zu demonstrieren geht wahrscheinlich sogar eingefleischten Stuttgart-21-Gegnern zu weit), sondern lediglich um die Namensgebung.

Der Gemeinderat von Schwäbisch Gmünd wollte, sozusagen als leuchtendes Beispiel für direkte Demokratie, die Bürger selbst bestimmen lassen, wie der Tunnel heißt, durch den sie demnächst zur Arbeit fahren. Da eine Liste im Rathaus als altbacken erachtet wurde, bediente man sich zeitgemäß des Internets zur Namensfindung. In Zeiten von Facebook-Partys und Online-Petitionen gegen Schummel-Doktoren hätte der Gemeinderat aber lieber vorher jemanden gefragt, der sich damit auskennt.

Denn auf der illustren Liste der Namensvorschläge, die zur Abstimmung standen, war auch ein gewisser ›Bud Spencer‹ zu finden. Der italienische Haudrauf, seines Zeichens ehemaliger Leistungsschwimmer, gewann mit seiner damaligen Schwimmmannschaft in einem Länderkampf sein Rennen über 100 m in Schwäbisch Gmünd. Der reichlich konstruierte Bezug zu Schwäbisch Gmünd, der von den Initiatoren der Abstimmung gefordert war, störte nur die wenigsten, und so setzte der zunächst wohl nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag zu seinem Siegeszug im Netz an.

Mit der Aufmerksamkeit wuchs die Beteiligung, und spätestens als klar war, dass nur der bärbeißige Schauspieler das Rennen machen konnte, wurde kollektiv zurückgerudert. Ein Bauwerk nach einem zweitklassigen Darsteller benennen? Wo kommen wir denn da hin!
Also wurde kurzerhand nochmal der Modus erklärt, nachdem es sich bei der Abstimmung lediglich um eine Empfehlung handle, die der Gemeinderat aber nicht beachten müsse.
Die Bud-Spencer-Fans kochten natürlich vor Wut. Warum man ein Bauwerk nicht nach einem international erfolgreichen Leistungsschwimmer und Schauspieler benennen dürfe, der nie in Skandale verwickelt war und einen hohen Beliebtheits- und Bekanntheitsgrad vorweisen kann?

Die ersten Demonstrationen wurden angekündigt, und Bürgermeister und Gemeinderat dürfte der kalte Schweiß auf der Stirn gestanden haben, als sich Bud Spencer höchstpersönlich in einem Brief für die Nominierung bedankte und im Fall der Fälle den Tunnel gerne einweihen würde, das Verkehrsministerium mitteilte, dass man sich nicht gegen einen Bud-Spencer-Tunnel sträuben würde, aber gleichzeitig der Gmündener Wutbürger verlauten ließ, dass ein Ulkname für einen anständigen schwäbischen Tunnel nicht in Frage käme.

Geradezu salomonisch erscheint nun der Vorschlag des Bürgermeisters, nicht den Tunnel nach dem Italiener zu benennen, sondern das städtische Freibad (oder besser Frei-Bud?). Das würde eh viel besser zu dem ehemaligen Schwimmstar passen. Damit dürften zwar alle Beteiligten zufrieden sein, aber ein Problem hat die ganze Geschichte trotzdem: Nach dem Namen für das Schwimmbad hat niemand gefragt! Das Gmündener Bad Spencer mag zwar die Gemüter kühlen, doch das eigentliche Dilemma löst es nicht.
So amüsant dieser kleine Schwabenstreich auch sein mag, so lehrt er doch eine ernste Lektion: Wenn man jemanden etwas fragt, sollte man auch darauf gefasst sein, dass die Antwort anders als erhofft ausfällt.

Prof. Hoffmann
hoffmann@verlag-henrich.de

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Auf Augenhöhe (bbr-Editorial 3/2011)

Man muss kein Prophet sein, um eine brummende Blechexpo vorherzusagen – und das nur wenige Monate nach einer gigantischen Euroblech. Und man kann, zumindest was Mitteleuropa anbelangt, die beiden Messen zwar nicht gleichsetzen, aber durchaus vergleichen. Zwar ist die Euroblech nach wie vor die Weltmesse der Branche, mit einer mehr als doppelt so großen Ausstellungsfläche, mehr als doppelt so vielen Besuchern und der Hälfte mehr Aussteller als auf der Blechexpo, aber auch in Stuttgart sind die meisten Keyplayer der Blech- und Schweißwelt vertreten. Das Duo Blechexpo-Schweisstec hat sich weit über die Sinsheimer Regionalmesse Südblech hinausentwickelt.

Auf der anderen Seite relativiert sich der Begriff ›Weltmesse‹, denn die BRIC- und andere ›emerging‹ Märkte sind inzwischen so wichtig geworden, dass sie eigene Messen brauchen – und bekommen haben. Die Besucher müssen also nicht mehr unbedingt um den halben Globus jetten, um auf dem Stand der Dinge zu sein. Anders sieht es auf der Ausstellerseite aus, wo immer noch das Motto gilt: »Dabei sein ist alles, Gewinn machen erst recht«. Deshalb werden Veranstaltungen wie die Euroblech, Tube, Wire oder Emo, um nur Beispiele zu nennen, zu Recht weiterhin als Weltmessen bezeichnet werden dürfen. Kein Aussteller mit Rang und Namen kann auf die Teilnahme verzichten. Allerdings gilt das inzwischen auch für ihre ›Dependancen‹ in China, Indien und Russland.

Zurück zu Blechexpo und Schweisstec, die noch nicht so weit sind, aber durchaus auch außerhalb des deutschen Sprachraums wahrgenommen werden – so in Italien, woher einige der Aussteller (und wohl auch etliche Besucher) kommen werden. Die meisten sind, eingebettet in ein Netz kleiner und kleinster, aber in jeder Hinsicht zuverlässiger und technisch absolut fitter Zulieferbetriebe, im Norden des Landes, in der Lombardei und dem Veneto, beheimatet – Regionen, die nicht nur zu den wirtschaftlich stärksten Europas gehören, sondern sich auch technisch auf absolut mitteleuropäischem Niveau bewegen. So gesehen kann man die Alpen getrost vergessen. Was wir von der bbr in dieser Ausgabe dadurch würdigen, dass Italien das erste Thema unseres Sonderteils ›Globo‹ ist.

Und weil wir gerade bei Sonderteilen sind, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auch noch auf unser branchenübergreifendes Magazin ›i2‹ lenken, das – mit seiner zweiten Ausgabe (die erste können Sie noch als E-Paper im Internet durchblättern) – der bbr zum ersten Male beiliegt: i2 steht für ›intelligente Instandhaltung‹. Womit eigentlich schon alles gesagt ist – und doch viel zu wenig. Und deshalb: Schauen Sie doch selbst mal rein!

Hans-Georg Schätzl
h.schaetzl@verlag-henrich.de

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Familientreffen (Hoffmans Erwägungen)

Die Natur hat das recht geschickt eingerichtet. Bestimmte Gattungen bilden Herden, Rudel oder Horden, um dem Individuum Schutz zu gewähren und um Synergien zu nutzen.

Evolutionsgeschichtlich sorgt diese Eigenschaft beispielsweise dafür, dass Tante Erna ihren 70. Geburtstag nicht alleine feiern muss. Aber auch dafür, dass Menschen im Laufe der Zeit Vereine, Gewerkschaften, Parteien, Staaten oder Religionsgemeinschaften gebildet haben.Der Begriff der ›Gemeinschaft‹ lässt auf den Ursprung dieser sozialen Gebilde rückschließen. Die Individuen in einer Gemeinschaft müssen etwas ›gemein‹ haben, sei es Religion, Sport, Weltanschauung oder das Erbgut. Der Mensch umgibt sich eben am liebsten mit Seinesgleichen, getreu dem Motto »Gleich und Gleich gesellt sich gern«. Und das aus gutem Grund. Schließlich hätte sich dieses Verhalten nach Darwins Lehre nicht durchgesetzt, wäre es nicht von Nutzen gewesen.

Auch in der Berufswelt beweist sich der Mensch als Herdentier. Fachtagungen und Kongresse erinnern mich dementsprechend immer ein wenig an Familienfeiern. Man kennt und schätzt sich, diskutiert und disputiert und tauscht sich bei Kaffee und Kuchen über den neuesten Klatsch aus. Selbst der freche Neffe, der schrullige Onkel und der weise Großvater finden auf solchen Veranstaltungen ihr Äquivalent, in den Ingenieurswissenschaften sind nur Nichte, Tante und Großmutter nicht so häufig. Meist ist die weibliche Beteiligung bei einer solchen Veranstaltung leider auf das Abendprogramm, in Form künstlerischer Darbietungen, beschränkt. Das ist sehr schade, gerade weil ich in meinem Berufsleben eine Vielzahl hochqualifizierter Frauen in technischen Berufen kennengelernt habe. Daher an dieser Stelle ein Aufruf an die Damenwelt: Lasst euch ruhig mal blicken! Es lohnt sich.

Wie nützlich ein regelmäßiges Zusammenkommen der ›Fachfamilie‹ ist, sieht man immer erst im Nachhinein. Zwar profitiert jeder Teilnehmer unmittelbar durch die aktuellen Forschungsergebnisse, die in Form von Vorträgen dargeboten werden, doch noch wichtiger sind Kontakte, die geknüpft werden können. So wird ein Tagungsbesuch unbezahlbar, wenn man zu einem konkreten Problem im Tagesgeschäft sagen kann: »So etwas Ähnliches habe ich schon mal gehört. XY beschäftigt sich damit. Ich rufe da gleich mal an «.

Den richtigen Ansprechpartner zur richtigen Zeit parat zu haben, ist das Ergebnis eines gepflegten Netzes. Und ›vernetzen‹ lässt sich auf einem solchen Familientreffen wunderbar. Wie erfolgreich so ein Kongress für den Einzelnen verläuft, liegt dementsprechend hauptsächlich an den Teilnehmern selber. Wer während der Vorträge im Internet surft, in den Pausen nur mit seinen Arbeitskollegen Kaffee trinkt und abends im Hotelzimmer bleibt, anstatt die Abendveranstaltung zu besuchen, der braucht sich nicht zu wundern, dass die Veranstaltung nur wenig Früchte für ihn trägt. Aber wer offen ist für Menschen und Ideen, der kann in der Stanz- und Umformtechnik schnell eine neue Familie finden. Bis zur nächsten Tagung.

Prof. Hoffmann
hoffmann@verlag-henrich.de

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Rational irrational irr-rational (bbr-Editorial 2/2011)

Großes politisches Theater allerorten: In Japan wird unfreiwillige Komik dargeboten in grotesk clownesker Kostümierung; in Tschechien, Polen, England, China und anderen Ländern mimt man abstruse Merkbefreitheit; im deutschen Tollhaus schlägt man auf offener Bühne kettenreaktionsartig Purzelbäume rückwärts.

In Frankreich und in den USA überlegt man noch, was man zum Besten geben könnte. Man fragt sich, ob nur einige Reaktoren nicht mehr ganz dicht sind.

Leider ist die Lage zu ernst, um über die Schauspielkunst unserer Welt-Führungskräfte zu lachen. In Japan opfern einige Dutzend Männer – und keine einzige Frau – ihr Leben, um Tausende, vielleicht Millionen andere zu retten. Echte Helden, aber erstaunlich wenige angesichts über 100 Millionen technikhöriger Kernkraftfans in Japan, sagt man den Japanern doch so große Opferbereitschaft für das Allgemeinwohl nach. Aber: Den Japanern sagt man auch nach, extrem pingelig zu sein, wenn es um die Genauigkeit in der Arbeit und die Einhaltung von Vorschriften geht. Und jetzt? Schlamperei und Pfusch allerorten – und das in Kernkraftwerken und ausgerechnet in Japan … War man zu technikgläubig und deshalb so leichtsinnig? Und dann diese Hilflosigkeit: quasi in den Kamin spucken, um ein Herdfeuer zu löschen!

Die jetzige japanische Regierung, erst seit wenigen Monaten im Amt, könnte einem fast leid tun, muss sie doch die Suppe auslöffeln, die ihre Vorgänger, jetzt in der Opposition, eingebrockt haben. Wo sind denn die Verantwortlichen dafür, dass man Kernkraftwerke in eine der erdbebenträchtigsten Erdregionen gebaut hat? Jahrzehntelang haben sie regiert. Jetzt lehnen sie jede Verantwortung und Kooperation ab. Sehr unjapanisch. Diese Politiker und Manager haben ihr Gesicht nicht verloren, sie haben sich selbst die Larve von der Fratze gerissen.

Früher haben Japaner bei dieser Gelegenheit zum papierumwickelten Schwert gegriffen – eine Option auch für die Manager der Kraftwerksbetreiber? Besser und vielleicht genau so wirkungsvoll wäre es allerdings, sie würden (symbolisch) die Ärmel hochkrempeln und in Fukushima aufräumen helfen.

Wie gut, dass unsere Kernkraftwerke die sichersten der Welt sind, fast so sicher wie die japanischen – gegen Fukushima 1 schneiden zum Beispiel Biblis A und B nicht besonders gut ab. Und die Schweißnähte an einigen unserer Siedewasserreaktoren (Isar 1 zum Beispiel), wohl gemerkt am Druckbehälter, sollen nicht einmal der österreichischen Dampfkesselverordnung standhalten, geschweige denn einer Kernschmelze. Aber, so rezitierte der zuständige Minister, als Jurist Fachmann für alles, ein bayerisches Naturgesetz: »Die Österreicher haben keine Ahnung.«

Die Preußen erst recht nicht: Die österreichischen Gutachten liegen auch in Berlin vor und werden dort ebenso missachtet wie die der eigenen Regierungsbeamten. Denn aus diesen Expertisen kann man eines nicht herauslesen: Das Mantra »Unsere Kernkraftwerke sind sicher.«

Nicht nur die Schweißnähte, auch die Stähle, aus denen die Reaktorbehälter bestehen, sind nach Expertenmeinung ungeeignet. Immerhin: Die maroden, versprödeten Behälter und ihre Nähte sind Gold gegen die im tschechischen Temelin. Was Greenpeace dort an Schweißarbeit fotografiert hat, müsste in Bayern und Österreich akute Panik auslösen. Wie es in anderen osteuropäischen AKWs aussieht, möchte man sich gar nicht vorstellen.

Kernkraftwerke waren nie sicher. Und sie sind nicht sicher, zumindest nicht sicher genug. Der japanische ›Störfall‹ ändert daran nichts. Und dann ist da ja noch die Lagerfrage: Auch nach dem Abschalten werden Kernkraftwerke nie sicher sein – auch dann nicht, wenn in 30 bis 60 Jahren alles brauchbare Uran zerstrahlt ist.

Autos sind auch nicht sicher, das wissen wir, Ihr pseudorationalen Kernkraftfans, die Ihr die AKW-Gegner gerne als irrationale Spinner diskreditiert! Aber mit dem Auto fährt man nicht 10000 Menschen auf einmal tot. Und überhaupt Statistiken: An Kugelschreibern sterben mehr Menschen als durch Terroranschläge, wie der Kollege Harald Martenstein ironisch festgestellt hat. Vom Rationalen zum Irr-rationalen ist es nur ein Schritt.

Für den Betrieb eines Autos ist auch eine Haftpflichtversicherung notwendig; und wer ein Häuschen bauen will, muss einen Entsorgungsnachweis vorlegen – für den Betrieb eines Kernkraftwerks braucht man beides nicht. Sonst hätte es nie welche gegeben.

Übrigens: Man kann seinen Stromanbieter wechseln – und nicht nur den Tarif.

Hans-Georg Schätzl

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Ist Geiz geil? MachtGier dumm? (bbr-Editorial 1/2011)

Aber viel wichtiger: Ein herzliches Willkommen allen Blech-InForm-Lesern!

Bekanntlich sind nicht alle Menschen gleich klug. So bieten einige Autohersteller ein anpassungsfähiges, ›intelligentes‹ Fahrlicht an, das eigentlich ein permanentes Fernlicht ist, das nur dann dosiert abblendet, wenn eine Sensorkamera hinreichend starkes Gegenlicht registriert. Fußgänger und langsame Radfahrer werden zwar vom Autofahrer früher erkannt (was gut ist), von der Kamera aber vermutlich gar nicht – und deshalb volle Kanne niedergebeamt (was schlecht ist), wenn sie sich nicht mit starken Leuchten bemerkbar machen; der Sensor befindet sich am Innenspiegel. Ein Automobilklub, dem unbeblechte Menschen egal zu sein scheinen, hat eine solche Erfindung auch noch prämiert. Der Gesetzgeber sollte, wenn nicht ohnehin § 1 der StVO greift, solchem Unfug schnellstens ein Ende bereiten. Aber der Gesetzgeber hat ja gerade das Tagfahrlicht erzwungen und so unmotorisierte Verkehrsteilnehmer noch ein wenig ›unsichtbarer‹ gemacht.

Anderes Beispiel: Ein Betreiber von Schienenwegen gibt Milliarden für die Verkürzung einer Fahrt von München nach Hannover um wenige Minuten aus, statt sich um die unumstrittene Begradigung einer Schleichstrecke zwischen Frankfurt und Basel oder wenigstens um die weit dringendere Sicherung der eingleisigen Strecken zu kümmern.

Zum Dritten: Einige Einkaufsabteilungen einiger Automobilhersteller glauben, man könne in einer Partnerschaft gleichzeitig würgen und Das dürfte auf Dauer nicht gut gehen, so wie man eine Kuh nicht gleichzeitig melken und schlachten kann. Jetzt sollen die Zulieferer, so berichten drei namhafte Verbände aus der Metallbranche, ihren OEM-Kunden sogar Vorauszahlungen (für künftige Rationalisierungseffekte) leisten, um überhaupt Aufträge zu erhalten. Vorauszahlungen für Aufträge – wie nennt man das gleich wieder? ›Das hat Geschmäckle‹ reicht wohl nicht. Philosophen, Ethiker und Juristen mögen klären, ob ein solches Ansinnen sittenwidrig ist. Sitte war es jedenfalls bisher nicht.

Anderes Beispiel: Fast alle früheren Bundes- und viele andere Regierungen heuchelten, den ›Entwicklungshilfe‹-Etat auf beeindruckende 0,7 Prozent (inzwischen nur noch 0,5 Prozent) des Bruttosozial- oder -inlandsproduktes anheben zu wollen und schafften bestenfalls die Hälfte – und selbst das war/ist vielen Bürgern des christlich nächstenliebenden Abendlandes zu viel: »Wir haben ja selber nichts«. Die durch und durch unchristlichen Chinesen (die ihrerseits immer noch Entwicklungshilfe kassieren) dagegen geben inzwischen 110 Milliarden Dollar (entsprechend 2 Prozent des BIP, aber das wäre Äpfel mit Birnen verglichen) als Kredite an die 3. Welt und sichern sich so wichtige Rohstoffmärkte. Damit werden die Rohstoffpreise für die westlichen Industrieländer gewaltig ansteigen, was ein Vielfaches der ›eingesparten‹ Entwicklungshilfe ausmachen wird. Was wir letztes Jahr am Stahlmarkt erlebten, wird dann nur ein schwaches Vorspiel gewesen sein – lupenreines Futur 2, haben Sies gemerkt?

Wenden wir uns wichtigeren Dingen zu: Die Stammleser und vor allem die Abonnenten der Blech InForm werden sich über das Aussehen und den Namen ihrer Lieblingslektüre wundern. Die Lösung: Die Blech InForm geht in der bbr auf. Es entgeht Ihnen dadurch nichts, denn die Themen der Blech InForm wurden auch schon bisher in der bbr behandelt. Und einige bisher exklusive Blech-InForm-Rubriken werden in die bbr übernommen: die Glosse des nun als Herausgeber der bbr fungierenden Prof. Dr. Hartmut Hoffmann von der TU München etwa, die Informationsseiten des IBU oder das Kurzinterview am Ende des Heftes. Und ab April werden Sie auch ›Das Neueste im Netz‹ wiederfinden. Sie sehen also, dass es keine Floskel ist, wenn das bbr-Team den bisherigen Blech-InForm-Lesern und -Kunden zuruft: »Herzlich willkommen!«

Hans-Georg Schätzl
h.schaetzl@verlag-henrich.de

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Zurück in die Zukunft (Hoffmanns Erwägungen)

2485000000, in Worten: zwei Milliarden 485 Millionen Automobile wurden gebaut, seit Carl Benz seinen berühmten Motorwagen an der örtlichen Apotheke volltankte und mit 0,75 Pferdestärken und halsbrecherischen 15 Kilometer pro Stunde eine neue Ära der Fortbewegung einläutete. 
 
Ein schnöder Verbrennungsmotor primitiv – ein Elektromotor vorsintflutlich. Denn während heutzutage der Elektromotor als die vielversprechendste Antriebsart der Zukunft gilt, war er bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ein alter Hut. Verbrennungsmotoren galten damals als wesentlich fortschrittlicher. Ein zeitgenössischer Automobilexperte hätte bei der Präsentation eines aktuellen Elektrofahrzeugs also wahrscheinlich die Antriebsart nur mit einem müden Schulterzucken kommentiert, während er staunend Ausstattungsmerkmale wie Sicherheitsgurte, Abblendlicht und schlauchlose Radialreifen bewundert hätte. Daran lässt sich gut erkennen, wie sich die Wahrnehmung des Autos immer wieder gewandelt hat, während sich manche Eigenschaften kaum verändert haben. Denn auch wenn sich beispielsweise die Produktionsmethoden seit den Anfängen des Automobilbaus eklatant gewandelt haben, so besteht doch immer noch ein Großteil der Karosserie aus Bändern, Blechen und Rohren. In unser aller Interesse hoffe ich sehr, dass das Auto auch weiterhin unser aller Lieblings-Blechkiste bleibt.

Prof. Dr. Hartmut Hoffmann
hartmut.hoffmann@utg.de

Die Reaktionen auf die ersten motorisierten Fahrzeuge waren zwiegespalten. Anfang des 20. Jahrhunderts soll sich der deutsche Kaiser Wilhelm II folgendermaßen geäußert haben: »Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.« Es war bekannterweise nicht das letzte Mal, dass sich der Monarch irren sollte. Erstaunlich ist, wie radikal sich das Auto während seines Siegeszugs veränderte, und wie vieles dabei doch beim Alten blieb. Gerade die Konstanten dürften für viele Zeitgenossen der Anfangsjahre des Automobils heute eine größere Überraschung darstellen, als die zahlreichen innovativen Veränderungen. Denn entgegen zahlreichen Annahmen und Visionen in der 125-jährigen Geschichte des Automobils besitzen die meisten Autos noch vier Räder und schweben nicht, wie in ›Zurück in die Zukunft‹ prophezeit, durch die Luft, werden durch ein Lenkrad und nicht durch Gedankenkraft gesteuert und können zur Enttäuschung vieler Pendler ihre Besitzer auch nicht autonom durch den morgendlichen Berufsverkehr chauffieren. Auch beim Antrieb hätte man in den atombegeisterten 50ern sicher eher mit einem fortschrittlichen Nuklearantrieb im Automobil des 21. Jahrhunderts gerechnet, zumindest aber mit einem leistungsstarken Raketenantrieb.

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